Louis-Pierre Janquin: Wie er seine Karriere als professioneller Schlagzeuger trotz einer Verletzung gemeistert hat.

Louis-Pierre Janquin ist 1. Schlagzeuger der Dortmunder Philharmoniker. Er hat das Probespiel trotz einer chronischen Sehnenscheidenentzündung gewonnen und erklärt im folgenden Gespräch wie er sich beim Musizieren verletzt hat, welche Konsequenzen diese Verletzung auf seinen Alltag und auf seine Karriere gehabt hat und wie er heute damit umgeht.

Kannst Du Dich in ein paar Worte vorstellen? 

Mein Name ist Louis-Pierre Janquin, ich bin 36 Jahre alt und spiele Schlagzeug und Drumset seit 30 Jahren.

Hast Du schon körperliche Beschwerden wegen des Musizierens erlebt und wenn ja, welche?

Ja, ich leide unter eine chronische Sehnenscheidenentzündung seit 2011.

Haben diese Beschwerden einen Einfluss auf Dein Üben gehabt?

Selbstverständlich! Ich habe mein Übepensum reduzieren, meine Haltung umlernen und die Art, wie ich geübt habe, ändern müssen.

Anders gesagt: Ich habe Lösungen finden müssen um weniger, dafür besser, zu üben.

Haben diese Beschwerden einen Einfluss auf Deinen Alltag ohne Instrument gehabt?

Ja, viele. Manche Schmerzen waren so intensiv, dass sie mich nachts geweckt haben. Sie haben mich auch bei einfachen, alltäglichen Sachen beeinträchtigt, wie z. B. beim Zähneputzen.

Nach vielen Recherchen und viel Ausprobieren habe ich allmählich meinen Alltag geändert und angepasst (Essen, Sport …) um meine Gesundheit zu fördern.

Nicht zu unterschätzen sind die psychischen Änderungen, die damit verbunden sind. Um ganz ehrlich zu sein: Diese Beschwerden sind sehr bedrückend.

Es ist deprimierend, wenn das Üben Schmerzen und Frust verursacht, wenn man an seinen professionellen Zielen Abstrichen machen muss.

Auf Grund dieser Verletzung habe ich zum Beispiel die Vorbereitung auf ungefähr 15 Probespiele aufgeben müssen.

Das schwierigste für mich ist, den Frust zu bearbeiten: Wenn der Kopf unbedingt weiter machen will, da wo der Körper ganz klar « Stopp » sagt.

Welche Hilfsmittel, welche Lösungen hast Du gefunden, um diese Beschwerden zu beseitigen bzw. um damit zu leben?

Oft sind Sehnenscheidenentzündungen durch ein Ungleichgewicht der Muskulatur verursacht. Es war also wichtig für mich, den ganzen Rücken und die ganzen Armen zu trainieren. So wird die Belastung besser verteilt, was die « schwache » Stelle entlastet.

Ich fahre viel Fahrrad, jogge oft und trainiere mit Hanteln.

Ich benutze ein Blackroll, ein Theraband und ein Powerball um meine Arme zu dehnen und zu entspannen.

Ich machen jeden Vormittag 5 Minuten Krafttraining vor dem Üben und trinke viel vor, während und nach dem Spielen.

Ich esse viel weniger rotes Fleisch und Milchprodukte und trinke weniger Kaffee und Alkohol als zuvor. 

Ich nehme Zinc und Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel. 

Mein neuer Überhythmus ist: 45 Minuten Spielen – 20 Minuten Pausieren und das, nicht länger als 4 Stunden pro Tag, da wo ich früher mindestens 8 Stunden pro Tag geübt habe.

Jeden Abend tue ich Eis sowie verschiedene Gele und Cremen auf meine Arme.

Ich übe mit « K-tape » auf die Arme oder mit Kompressionsmanschetten.

Welche Verbesserungen in der Musikpädagogik (Unterrichtsangebot, Sensibilisierung usw.) würden Deiner Meinung nach helfen, solche Stolpersteine im Leben eines Musikers, einer Musikerin zu vermeiden?

Ich denke, man sollte Musiker*innen dafür bewusst machen, dass sie wie Hochleistungsportler*innen sind.

Während des Studiums üben wir 6 bis 10 Stunden pro Tag: Es ist mehr als Sportler*innen, die sich auf die olympischen Spiele vorbereiten! Wir sollten unserem Körper zuhören BEVOR eine Verletzung auftritt!!

Die 5 folgenden Punkte sind für mich extrem wichtig: 

  • Eine ausgewogene Ernährung haben
  • Gut üben anstatt viel üben
  • Regelmässig pausieren
  • Sport als Ausgleich treiben
  • Spass am Musizieren kultivieren

Hast Du Tipps (Bücher, Videos usw.), die Du gerne teilen möchtest? 

Nicht besonders, ausser dass ich GeSIL empfehle: Für mich das wirkungsvollste, was ich bis jetzt probiert habe (ich bekomme kein Geld um das zu sagen!).

Wo kann man mehr über Dich lesen bzw. hören?

Auf meiner Website www.louispierrejanquin.com.

Live kann man mich nach der Pandemie jeden Abend von mittwochs bis sonntags im Theater oder im Konzerthaus in Dortmund. Mehr Infos: da und da.

Es ist mir wichtig durch dieses Interview zu betonen, dass diese Beschwerde relativ häufig sind und, dass leider alle Musiker*innen darunter leiden können. Man sollte sich nicht deswegen schämen oder seinen Selbstwert davon abhängig machen.

Kämpfen um Lösungen zu finden wenn Probleme auftreten ist ein sehr guter Grund, stolz auf sich zu sein!

Danke Louis-Pierre für Deine wertvollen Antworten! 

Dieses Gespräch ist das erste einer Reihe, die das Tabu über dieses Thema brechen und Lösungen verbreiten will.

Je mehr wir darüber reden, desto besser werden die neuen Generationen von Musiker*innen informiert und geschützt.

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